Impuls
Der Wanderer
Unterwegs fing sein Leben an. Auf dem Wege wurde er geboren, weil in der Herberge kein Platz war. Wen wundert es, dass der Weg für ihn wichtiger wurde als die Herberge.
Die meisten Geschichten, die von ihm im Umlauf sind, sind Weggeschichten. Sozusagen mitten auf dem Weg passierte das Wichtigste seines Lebens.
Von seinen ersten Lebensjahren wissen wir nicht viel, außer, dass er mit seiner Familie auf der Flucht gewesen sein soll und dass er als Zwölfjähriger an einer Wallfahrt nach Jerusalem teilnahm.
Aber sein eigentliches Wanderleben, sein „bewegtes Leben“, begann erst viel später. Etwa mit dreißig Jahren ist er ausgezogen, umhergezogen durch Städte, Dörfer, Landschaften, an vielen vorübergezogen. Er zog mitten durch die Menschen hindurch und sie vergaßen ihn so leicht nicht.
Und viele, die am Wege saßen oder lagerten und nicht weiter konnten, heilte er im Vorübergehen. Er ging auch in ausweglose Gegenden hinein (in die Wüste und über das Meer) und er ließ sich nicht durch Macht oder Reichtum bewegungslos machen.
Er ließ sich nicht verführen von denen, die sagen, der kürzeste Weg zum Ziel sei mit Reichtum und Macht gepflastert. Aber er lief sich die Sohlen ab, um den Menschen klar zu machen, dass der kürzeste Weg zu Gott der scheinbar unendlich lange Wege zum Nächsten ist. Und ausweglos Verkommene nahm er mit.
Er verlangte einiges. Denen, die das Wege Laufen mit Weglaufen verwechselten, sagte er: „Die Füchse haben Höhlen, die Vögel des Himmels haben Nester, des Menschen Sohn aber hat nichts, wohin er sein Haupt legen könnte.“
Von denen, die an ihn glauben wollten, verlangte er nicht das Auswendiglernen von Sätzen, sondern er wollte, dass sie Ihm nachfolgten. Aber er konnte auch hinterherlaufen. Hinter einem Einzigen, der sich verlaufen hatte, konnte er solange hinterherlaufen, bis er ihn gefunden hatte.
Seinen Nachfolgern gab er genaue Anweisungen, wie sie sich auf den Weg zu machen hatten. Nichts sollten sie mitnehmen. Aber er versprach ihnen, dass zwischen ihnen genug sei, dass allerwegs Wundervolles passieren konnte.
Schließlich hatte er so viele Wege erschlossen, dass er es sagen konnte von sich: „Ich bin der Weg.“ Kein Mensch kann so etwas von sich sagen.
Und viele konnten so ein bewegtes Leben nicht ausstehen, konnten Ihn nicht ausstehen, und sie legten ihn fest. So wurde sein Weg ein Kreuzweg.
Sie konnten ihn festnageln, aber er ging ihnen dadurch, ging mitten durch den Tod ins Leben. Nach seinem Weggang zum Vater war er so frei, immer und überall aufzutauchen, wo er wollte, am besten zwischen Weggefährten.
Seinen Weggefährten gab er den Auftrag, sich auf den Weg zu machen, zu den Menschen aller Völker. Wirklich, es entstand eine Bewegung. Wanderndes Gottesvolk ist auch ein Name dafür.
Warum so viele Wege? Warum wanderte er so viel? Ist er nicht die Fußspur Gottes in unserer Geschichte? Und sollte nicht an ihm leibhaftig deutlich werden, dass unser Gott keinen Weg unversucht lässt, um uns zu treffen.
Unser Gott ist selbst unser Weg und unser Ziel.
(Verfasser nicht bekannt)



